Europe im Volkshaus Zürich: Vier Jahrzehnte Rockgeschichte, ein Abend voller Energie
40 Jahre nach der Veröffentlichung ihres erfolgreichsten Albums kehrten Europe für einen besonderen Jubiläumsabend nach Zürich zurück. Im ausverkauften Volkshaus präsentierten die schwedischen Hard-Rock-Veteranen eine Mischung aus Klassikern, weniger häufig gespielten Titeln und neuem Material. Ein Konzert, das weit über die Erinnerung an einen einzigen Welthit hinausging.
Ein Jubiläum mit Schweizer Verbindung
Am Dienstag, 13. Oktober 2026, stand das Zürcher Volkshaus ganz im Zeichen eines Albums, das die Rockmusik der Achtzigerjahre entscheidend geprägt hat. Mit ihrer «The Final Countdown – 40th Anniversary Tour» feierten Europe das vierzigjährige Bestehen ihres 1986 veröffentlichten Erfolgsalbums.
Für den Auftritt in Zürich gab es eine besondere Verbindung: «The Final Countdown» wurde seinerzeit in den Powerplay Studios im zürcherischen Maur aufgenommen. Vier Jahrzehnte später kehrte die Band damit gewissermassen an den Ursprungsort eines wichtigen Kapitels ihrer Karriere zurück.
Die Erwartungen waren entsprechend hoch. Das Konzert war bereits Wochen im Voraus ausverkauft. Europe nutzten den Abend jedoch nicht ausschliesslich für einen Rückblick, sondern präsentierten sich als weiterhin aktive Rockband mit musikalischen Ambitionen.
The Damn Truth – klassischer Rock als gelungener Auftakt
Den Konzertabend eröffnete die kanadische Formation The Damn Truth aus Montreal.
Mit Sängerin und Rhythmusgitarristin Lee-La Baum, Gitarrist Tom Shemer, Bassist Pierre-Yves Letellier und Schlagzeuger Dave Traina setzte das Quartett auf einen gitarrenbetonten Sound, der seine Einflüsse aus dem Bluesrock und dem psychedelisch geprägten Rock der späten Sechziger- und frühen Siebzigerjahre bezieht.
Anstelle moderner Produktionseffekte standen klassische Instrumentierung, markante Gitarren und eine ausdrucksstarke Gesangsstimme im Zentrum.
Die Mischung aus rauem Rock, eingängigen Melodien und spürbarer Spielfreude kam beim Zürcher Publikum gut an. The Damn Truth erwiesen sich damit als passende Eröffnung für einen Abend, der musikalisch mehrere Generationen miteinander verband.
Europe – weit mehr als ein Welthit
Um 20.20 Uhr begann der Auftritt von Europe. Den Auftakt bildete «Scandinavian Eyes», ein Titel aus dem 2026 veröffentlichten Album «Come This Madness».
Damit setzte die Band bewusst ein Zeichen: Trotz des Jubiläums stand nicht ausschliesslich die Vergangenheit im Mittelpunkt.
Mit «Walk the Earth» und «Superstitious» folgten Stücke aus unterschiedlichen Phasen der Bandgeschichte. Auch «Last Look at Eden», «War of Kings» und «Prisoners in Paradise» unterstrichen die musikalische Bandbreite der Schweden.
Frontmann Joey Tempest erwies sich erneut als zentrale Persönlichkeit der Show. Seine Bühnenpräsenz und der direkte Kontakt zum Publikum gehörten zu den prägenden Elementen des Abends.
An seiner Seite standen Gitarrist John Norum, Bassist John Levén, Keyboarder Mic Michaeli und Schlagzeuger Ian Haugland – jene fünf Musiker, die bereits 1986 gemeinsam «The Final Countdown» eingespielt hatten.
Gerade diese personelle Kontinuität verlieh dem Jubiläum zusätzliche Bedeutung.
Norums charakteristisches Gitarrenspiel bildete einen wesentlichen Bestandteil des Europe-Sounds. Michaeli ergänzte die Arrangements mit den unverwechselbaren Keyboardmelodien, während Levén und Haugland das rhythmische Fundament lieferten.
Die grossen Klassiker und ihre Wirkung
Mit «Rock the Night» erreichte das Konzert einen seiner markanten Höhepunkte. Der Titel gehört seit Jahrzehnten zu den festen Bestandteilen des Live-Repertoires und steht exemplarisch für die melodische, gitarrenorientierte Seite der Band.
Anschliessend sorgte «Carrie» für einen bewussten Tempowechsel. Die Ballade zählt zu den bekanntesten Songs von Europe und ist bis heute eng mit der musikalischen Identität der Gruppe verbunden.
Im weiteren Verlauf rückte das Jubiläumsalbum immer stärker in den Mittelpunkt.
«Danger on the Track», «Ninja», «Cherokee», «Time Has Come» und «Heart of Stone» zeigten, dass «The Final Countdown» weit mehr enthält als seine bekannten Singles.
Besonders «Cherokee» bewies mit seiner kraftvollen Rhythmik, wie gut die Kompositionen des Albums auch vier Jahrzehnte nach ihrer Entstehung auf einer Konzertbühne funktionieren.
Auf den LED-Flächen im Bühnenhintergrund ergänzten historische Aufnahmen aus der Bandgeschichte das musikalische Programm. Dadurch entstand eine Verbindung zwischen den frühen Jahren der Gruppe und ihrer heutigen Bühnenpräsenz.
«The Final Countdown» – ein Finale mit Ansage
Nach «On the Loose» und «Love Chaser» folgte schliesslich jener Titel, auf den viele Konzertbesucher gewartet hatten.
Mit den weltbekannten Keyboardtönen von «The Final Countdown» erreichte der Abend seinen Abschluss.
Der Song ist längst über die Grenzen des Hard Rock hinaus bekannt. Seit seiner Veröffentlichung 1986 gehört er zu den international erfolgreichsten und wiedererkennbarsten Rockhymnen.
Dass Europe diesen Titel ans Ende des Konzerts stellten, war eine passende dramaturgische Entscheidung.
Nach einem Programm, das verschiedene Jahrzehnte ihrer Karriere umfasste, setzte ausgerechnet jener Song den Schlusspunkt, mit dem die Band weltberühmt geworden war.
Fazit – Europe bleiben eine überzeugende Liveband
Das Konzert im Zürcher Volkshaus zeigte, dass Europe auch vierzig Jahre nach ihrem kommerziellen Durchbruch musikalisch relevant geblieben sind.
Die Gruppe beschränkte sich nicht darauf, ihre grössten Erfolge möglichst originalgetreu zu reproduzieren. Stattdessen verband sie bekannte Klassiker mit neuerem Material und weniger offensichtlichen Stücken aus ihrem umfangreichen Repertoire.
Die originale Besetzung von «The Final Countdown», die eingespielte musikalische Zusammenarbeit und die Bühnenpräsenz von Joey Tempest bildeten die Grundlage eines abwechslungsreichen Konzertabends.
Auch die Verbindung zur Schweiz verlieh diesem Tourstopp einen besonderen historischen Rahmen.
Europe lieferten damit nicht nur eine Hommage an ihr erfolgreichstes Album, sondern auch einen überzeugenden Querschnitt durch ihre mittlerweile mehrere Jahrzehnte umfassende Bandgeschichte.
Vierzig Jahre «The Final Countdown» – und Europe haben musikalisch noch immer etwas zu sagen.
